Alltag &
Therapie.
Das Wichtigste
auf einen Blick
Trotz bewusster Ernährung und Bewegung nehmen Ihre Beine oder Arme an Umfang zu und sind schmerzhaft? Das Lipödem ist keine Frage der Disziplin, sondern eine medizinische Erkrankung, die eine gezielte Therapie erfordert. Ziel ist nicht die Heilung, sondern die Linderung der Schmerzen und die Verbesserung der Lebensqualität.
Das Lipödem ist eine schmerzhafte, chronische Fettverteilungsstörung, die symmetrisch an Beinen und/oder Armen auftritt, während Füße und Hände schlank bleiben.
Das Leitsymptom ist der Schmerz – Druck-, Berührungs- und Spontanschmerz, nicht das Aussehen. Die Erkrankung ist nicht durch Diäten oder Sport heilbar.
Die Basis der Behandlung ist die konservative Therapie (KPE), bestehend aus Kompression, Bewegung, Hautpflege und manueller Lymphdrainage, um Schmerzen zu lindern.
Ein ganzheitlicher Ansatz, der auch Ernährung und psychologische Unterstützung einschließt, ist entscheidend für die Bewältigung des Alltags und die Verbesserung der Lebensqualität.
Medizinische Kompressionsversorgung
für Lipödem-Patientinnen – individuell und fachgerecht.
Was ist ein Lipödem
und was passiert
im Körper?
Das Lipödem ist eine ernstzunehmende, chronische Erkrankung, die durch eine atypische und symmetrische Vermehrung des Unterhautfettgewebes gekennzeichnet ist. Betroffen sind vor allem die Beine, seltener auch die Arme. Ein entscheidendes Merkmal ist, dass die Füße und Hände von der Fettvermehrung ausgespart bleiben, was zu einer deutlichen Disproportion zwischen den Gliedmaßen und dem Rest des Körpers führt.
Im Gegensatz zu normalem Übergewicht lässt sich das Lipödem-Fett durch Kalorienreduktion oder sportliche Aktivität kaum reduzieren. Die genauen Ursachen sind nicht vollständig geklärt, jedoch wird ein starker Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen vermutet – die Erkrankung beginnt typischerweise in der Pubertät, nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Eine genetische Veranlagung spielt ebenfalls eine Rolle.
Das zentrale Symptom ist der Schmerz: Betroffene leiden unter Druck- und Schweregefühl, erhöhter Berührungsempfindlichkeit und einer starken Neigung zu blauen Flecken. Diese Beschwerden entstehen, weil das krankhaft veränderte Fettgewebe die feinen Blut- und Lymphgefäße beeinträchtigt.
„Das Lipödem ist keine Frage der Disziplin – es ist eine medizinische Erkrankung mit klaren biologischen Ursachen."
Chronische Fettverteilungsstörung
Komplexe Physikalische Entstauungstherapie. Die Standardtherapie beim Lipödem, bestehend aus Kompression, Lymphdrainage, Bewegung und Hautpflege.
Wasserstrahl-assistierte Liposuktion. Lymphgefäßschonende OP-Technik zur dauerhaften Entfernung von Lipödem-Fettgewebe bei Therapieversagen.
Die vier Säulen
der konservativen Therapie
Kompression
Das tägliche Tragen von flachgestrickten medizinischen Kompressionsstrümpfen ist die wichtigste Maßnahme. Die Kompression übt Druck auf das Gewebe aus, unterstützt den Lymphabfluss, reduziert Schwellungen und Schmerzen und lindert das Schweregefühl. Essenziell für die Alltagskontrolle der Beschwerden.
Zur KompressionsversorgungManuelle Lymphdrainage
Diese spezielle Massagetechnik wird von geschulten Therapeuten durchgeführt und regt das Lymphsystem an, angestaute Flüssigkeit aus dem Gewebe abzutransportieren. Besonders wirksam bei starken Schwellungen und Schmerzen – oft in Kombination mit der Kompressionstherapie.
Bewegung
Regelmäßige körperliche Aktivität in Kompression aktiviert die Muskelpumpe und unterstützt den venösen und lymphatischen Rückfluss. Geeignet sind gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Aqua-Jogging, Walken oder Radfahren. Sport heilt nicht, hilft aber das Gewicht zu stabilisieren.
Hautpflege
Die Haut unter der Kompression benötigt besondere Aufmerksamkeit. Tägliches Reinigen und Eincremen mit pH-neutralen Produkten erhält die Hautbarriere, beugt Trockenheit und Reizungen vor und erhöht den Tragekomfort der Kompressionsversorgung spürbar.
Praktische Tipps
für den Alltag
Der Alltag mit Lipödem stellt Betroffene vor viele Herausforderungen. Mit den richtigen Strategien lässt sich die Lebensqualität jedoch deutlich verbessern. Es geht darum, die Erkrankung zu akzeptieren und aktiv zu managen.
Antientzündliche Kost
Eine gesunde, ausgewogene und antientzündliche Ernährung (z.B. mediterrane oder ketogene Kost) hilft, Begleiterkrankungen zu vermeiden und Entzündungsprozesse zu reduzieren. Auch wenn Diäten das Lipödem nicht heilen: Stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker und Alkohol sollten vermieden werden.
Psychologische Unterstützung
Chronische Schmerzen und körperliche Veränderungen sind eine enorme psychische Belastung. Der Austausch in Selbsthilfegruppen oder eine professionelle psychotherapeutische Begleitung helfen, mit der Diagnose umzugehen, das Selbstwertgefühl zu stärken und Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Kleidung & Schuhe
Wählen Sie weite, bequeme Kleidung aus weichen Materialien, die nicht einschnürt. Flache, bequeme Schuhe sind wichtig, um den Füßen ausreichend Platz zu geben und eine gute Haltung zu fördern. Die Füße sind beim Lipödem nicht betroffen.
Expertin für sich selbst
Führen Sie ein Schmerztagebuch, dokumentieren Sie Ihre Umfänge und lernen Sie, auf die Signale Ihres Körpers zu hören. Eine konsequente Umsetzung der Therapie ist der Schlüssel zu einem Leben mit weniger Schmerzen.
Kompressionswäsche, die hält was sie verspricht –
Bodys und Mieder für maximalen Tragekomfort.
Wann ist eine
Liposuktion sinnvoll?
Konservative Therapie zuerst
Wenn die konservativen Therapiemaßnahmen über mindestens 6–12 Monate keine ausreichende Linderung der Schmerzen bringen, kann eine operative Behandlung in Betracht gezogen werden. Es handelt sich nicht um einen kosmetischen Eingriff, sondern um eine medizinisch indizierte Maßnahme zur Schmerzreduktion.
Lymphschonende Liposuktion
Bei der Liposuktion bei Lipödem wird das krankhaft veränderte Fettgewebe mit lymphgefäßschonenden Techniken (z.B. WAL) dauerhaft entfernt. Der Eingriff heilt das Lipödem nicht, kann aber zu einer signifikanten Reduktion von Schmerzen, Druckgefühl und Schwellungsneigung führen. Auch danach ist oft weiterhin eine Kompressionstherapie notwendig.
Den Weg aktiv
gestalten
Diese Seite dient Ihrer Orientierung und soll Ihnen Mut machen, den Weg mit dem Lipödem aktiv zu gestalten. Die Diagnose und die Erstellung eines individuellen Therapieplans gehören jedoch immer in die Hände von Fachärzten – Phlebologen oder Lymphologen.
Wenn Sie den Verdacht haben, an einem Lipödem zu leiden, suchen Sie ärztlichen Rat. Eine frühzeitige und konsequente Therapie ist der beste Weg, um Ihre Lebensqualität langfristig zu erhalten und zu verbessern.
Das Ziel ist keine Heilung, sondern ein Leben mit weniger Schmerzen und mehr Lebensqualität.
Konsultieren Sie einen Phlebologen oder Lymphologen für eine fundierte Diagnose und Therapieplanung.
6–12 Monate
Häufige Fragen zu Lipödem: Alltag & Therapie
A) Grundlagen & Diagnose
Ein Lipödem ist eine chronische, schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die symmetrisch an den Beinen und/oder Armen auftritt. Im Gegensatz zu normalem Übergewicht sind Füße und Hände nicht betroffen. Das Hauptsymptom ist der Schmerz, nicht das Aussehen.
Drei Hauptunterschiede: 1. Schmerz: Lipödem-Gewebe ist druck- und berührungsempfindlich. 2. Proportion: Oft schlanker Oberkörper bei dicken Beinen/Armen. 3. Resistenz: Das Fettgewebe reagiert kaum auf Diäten oder Sport. Eine ärztliche Diagnose ist zur Klärung unerlässlich.
Die genauen Ursachen sind unbekannt. Man geht von einer Kombination aus genetischer Veranlagung und hormonellen Einflüssen aus. Es ist keine Frage von Schuld oder falscher Lebensweise. Die Erkrankung tritt fast ausschließlich bei Frauen auf, oft beginnend in der Pubertät, nach Schwangerschaften oder in den Wechseljahren.
Nein, nach aktuellem medizinischem Stand ist das Lipödem nicht heilbar. Alle Therapieformen zielen darauf ab, die Symptome (vor allem die Schmerzen) zu lindern, das Fortschreiten zu verlangsamen und die Lebensqualität zu verbessern.
Der erste Ansprechpartner ist oft der Hausarzt. Spezialisten für die Diagnose und Behandlung sind Phlebologen (Venenärzte), Lymphologen oder Gefäßchirurgen. Eine sichere Diagnose kann nur durch eine körperliche Untersuchung und das Patientengespräch (Anamnese) gestellt werden.
Ein Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung, die immer symmetrisch auftritt und schmerzhaft ist, wobei die Füße/Hände frei bleiben. Ein Lymphödem ist eine Störung des Lymphabflusses, oft einseitig, nicht primär schmerzhaft und betrifft auch Füße/Hände (Stemmer'sches Zeichen positiv).
Ein Lipödem kann fortschreiten, muss es aber nicht zwangsläufig. Eine frühzeitige Diagnose und eine konsequente, lebenslange Therapie (insbesondere Kompression und Bewegung) können das Fortschreiten deutlich verlangsamen oder sogar aufhalten. Das Selbstmanagement spielt hier eine entscheidende Rolle.
Früher wurde das Lipödem in drei Stadien anhand des Hautbildes eingeteilt. Nach der aktuellen S2k-Leitlinie wird diese Einteilung nicht mehr als Maß für die Schwere der Erkrankung verwendet, da das Aussehen nichts über die Schmerzintensität aussagt. Das Leitsymptom ist der Schmerz.
Das krankhaft veränderte Fettgewebe übt Druck auf die feinen Blutgefäße (Kapillaren) aus. Dadurch werden diese brüchiger und es kommt schon bei leichten Stößen oder Druck zu Einblutungen ins Gewebe, die als blaue Flecken (Hämatome) sichtbar werden.
Nein, es gibt bisher keine bildgebenden Verfahren (wie Ultraschall, MRT) oder Laborwerte, mit denen ein Lipödem eindeutig nachgewiesen werden kann. Die Diagnose erfolgt ausschließlich durch die körperliche Untersuchung und die Erhebung der Krankengeschichte durch einen erfahrenen Arzt.
B) Konservative Therapie
Die Basis und wichtigste Säule der Behandlung ist die konservative Therapie. Insbesondere das tägliche Tragen von medizinischer Kompressionskleidung (meist flachgestrickt) ist entscheidend, um die Schmerzen zu lindern und Schwellungen zu kontrollieren.
Der Druck von außen unterstützt das Gewebe, verbessert den venösen und lymphatischen Rückfluss und reduziert die Ansammlung von Flüssigkeit. Dies verringert das Spannungs- und Schweregefühl und macht das Gewebe weniger druckempfindlich. Die Kompression wirkt wie eine schützende Hülle.
Rundgestrickte Strümpfe (wie bei Krampfadern) werden nahtlos hergestellt und haben ein dehnbares Material. Flachgestrickte Strümpfe werden in Reihen gestrickt und mit einer Naht verschlossen. Sie sind weniger dehnbar, üben einen höheren Arbeitsdruck aus und schnüren bei großen Umfangs-Unterschieden nicht ein, weshalb sie bei Lipödem meist die bessere Wahl sind.
MLD ist eine sanfte Massagetechnik, die den Abtransport von Lymphflüssigkeit fördert. Sie wird von spezialisierten Therapeuten durchgeführt und kann Schmerzen und Schwellungen lindern. Ob und wie oft MLD notwendig ist, hängt von Ihren individuellen Beschwerden ab und wird vom Arzt entschieden.
Ja, für eine wirksame Therapie ist konsequentes, tägliches Tragen von morgens bis abends unerlässlich. Die Kompression wirkt nur, während sie getragen wird. Jeder Tag ohne Kompression kann bedeuten, dass Schwellungen und Schmerzen wieder zunehmen.
Ja, bei einer ärztlich diagnostizierten Lipödem-Erkrankung ist die Kompressionsversorgung ein anerkanntes Hilfsmittel. Mit einem Rezept vom Arzt übernimmt die gesetzliche Krankenkasse in der Regel die Kosten für zwei Versorgungen pro Jahr (abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung).
KPE ist der Goldstandard in der konservativen Therapie. Sie kombiniert fünf Säulen: 1. Manuelle Lymphdrainage, 2. Kompressionstherapie, 3. Bewegungstherapie, 4. Hautpflege und 5. Selbstmanagement. Dieser ganzheitliche Ansatz ist am wirksamsten.
Eine perfekt sitzende Kompression sollte eng sein, aber nicht schmerzhaft einschnüren. Wenn sie rutscht, Falten wirft oder Schmerzen verursacht, ist die Passform nicht optimal. Suchen Sie Ihr Sanitätshaus auf, um den Sitz überprüfen und ggf. anpassen zu lassen. Manchmal kann auch ein anderes Material oder Modell helfen.
Nein, es gibt derzeit keine zugelassenen Medikamente, die das Lipödem selbst oder das krankhafte Fettgewebe behandeln können. Wassertabletten (Diuretika) sind ungeeignet und können sogar schaden. Die Behandlung konzentriert sich auf die physikalische Therapie.
Die Haut kann unter der Kompression trocken werden. Verwenden Sie täglich nach dem Ausziehen der Strümpfe eine pH-neutrale, feuchtigkeitsspendende Lotion. Achten Sie darauf, dass die Creme gut einzieht, bevor Sie die Kompression am nächsten Morgen wieder anziehen.
C) Sport & Ernährung
Nein, das krankhafte Lipödem-Fett lässt sich durch Sport nicht reduzieren. Dennoch ist Sport ein extrem wichtiger Teil der Therapie. Er lindert die Beschwerden, verbessert die Beweglichkeit, stärkt die Muskeln und hilft, das Körpergewicht zu halten, was das Lymphsystem entlastet.
Ideal sind gelenkschonende Sportarten, am besten im Wasser, da der Wasserdruck wie eine natürliche Lymphdrainage wirkt. Dazu gehören Schwimmen, Aqua-Fitness, Aqua-Jogging oder Aqua-Cycling. An Land sind Walken, Nordic Walking, Radfahren oder Yoga gute Alternativen.
Ja, unbedingt (außer bei Wassersport). Die Kompression unterstützt die Muskelpumpe, verbessert den venösen und lymphatischen Rückfluss und reduziert Mikroverletzungen im Gewebe. Das macht den Sport effektiver und oft auch angenehmer.
Es gibt keine Diät, die das Lipödem heilt. Eine ausgewogene, antientzündliche Ernährungsweise kann aber helfen, die Symptome zu lindern und Begleiterkrankungen wie Adipositas zu vermeiden. Viele Patientinnen machen gute Erfahrungen mit einer mediterranen oder ketogenen Ernährung.
Stark verarbeitete Kohlenhydrate wie Zucker und Weißmehl können Entzündungsprozesse im Körper fördern und zu Wassereinlagerungen führen. Eine Reduzierung kann bei vielen Betroffenen zu einer Linderung der Schmerzen und des Spannungsgefühls beitragen.
Eine Gewichtsreduktion bei bestehendem Übergewicht kann das Lipödem nicht heilen, aber die Beschwerden deutlich lindern. Jedes Kilo weniger entlastet die Gelenke und das Lymphsystem. Das krankhafte Lipödem-Fett selbst bleibt jedoch meist unberührt von der Gewichtsabnahme.
Ausreichend Flüssigkeit ist wichtig, um den Stoffwechsel und den Lymphfluss in Gang zu halten. Empfohlen werden 2-3 Liter Wasser oder ungesüßter Tee pro Tag. Dies hilft dem Körper, Abfallstoffe besser auszuscheiden.
Ja, moderates Krafttraining zum Muskelaufbau ist sogar sinnvoll, da starke Muskeln die "Gefäßpumpen" effektiver unterstützen. Vermeiden Sie jedoch Pressatmung und zu hohe Gewichte. Ein Training mit vielen Wiederholungen und moderatem Gewicht ist ideal.
Das kann mehrere Gründe haben: War die Sportart zu belastend für die Gelenke (z.B. Joggen)? Haben Sie auf die Kompression verzichtet? Oder war die Intensität zu hoch? Versuchen Sie es mit einer sanfteren Sportart oder reduzieren Sie die Trainingsdauer und steigern Sie sich langsam.
Alkohol erweitert die Gefäße und kann die Schwellungsneigung und das Schmerzempfinden verstärken. Viele Betroffene berichten, dass ihre Symptome nach Alkoholkonsum schlimmer werden. Ein bewusster und reduzierter Konsum ist daher ratsam.
D) Operative Therapie (Liposuktion)
Eine Liposuktion (Fettabsaugung) wird dann in Betracht gezogen, wenn die konservative Therapie (KPE) über mindestens sechs Monate konsequent durchgeführt wurde, aber keine ausreichende Linderung der Schmerzen und Beschwerden gebracht hat.
Nein. Im Kontext des Lipödems ist die Liposuktion eine medizinisch indizierte Maßnahme zur Reduktion der Schmerzen und zur Verbesserung der Lebensqualität. Das Ziel ist die Entfernung des krankhaften Fettgewebes, nicht primär eine ästhetische Körperformung.
Unter bestimmten, strengen Voraussetzungen kann die Krankenkasse die Kosten übernehmen (aktuell meist ab Stadium 3). Dies muss im Einzelfall geprüft und beantragt werden. Oft ist es jedoch immer noch eine Selbstzahlerleistung.
Nein. Die Liposuktion entfernt zwar einen Großteil des krankhaften Fettgewebes und kann die Schmerzen dauerhaft lindern, aber die Grunderkrankung (die Veranlagung zum Lipödem) bleibt bestehen. Eine lebenslange, wenn auch oft reduzierte, konservative Therapie ist meist weiterhin nötig.
Für die Liposuktion bei Lipödem werden spezielle, lymphgefäßschonende Techniken verwendet. Am bekanntesten sind die Wasserstrahl-assistierte Liposuktion (WAL) und die vibrations-assistierte Liposuktion (PAL). Ein erfahrener Operateur wählt die passende Methode.
Ja. Direkt nach der OP ist das Tragen von Kompressionswäsche für mehrere Wochen unerlässlich, um die Heilung zu unterstützen. Viele Patientinnen müssen auch langfristig weiterhin Kompression tragen, oft aber eine leichtere Klasse oder nur bei Bedarf (z.B. bei langem Sitzen, Flügen).
Die Ausfallzeit hängt vom Umfang der Operation ab. In der Regel sollten Sie mit einer Krankschreibung von 2 bis 4 Wochen rechnen. Körperliche Schonung ist für etwa 6 Wochen erforderlich.
An den operierten Stellen werden die Fettzellen dauerhaft entfernt. Bei einer starken Gewichtszunahme können sich die verbliebenen Fettzellen jedoch vergrößern. Daher ist auch nach der OP ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und Bewegung wichtig.
Patientinnen mit starkem Übergewicht (Adipositas), schweren Begleiterkrankungen oder unrealistischen Erwartungen sind oft keine guten Kandidatinnen. Eine Gewichtsreduktion vor der OP kann bei Adipositas erforderlich sein, um die Risiken zu minimieren.
Suchen Sie nach einem Chirurgen mit nachweislicher Erfahrung in der operativen Behandlung des Lipödems. Achten Sie auf Facharzttitel (z.B. Plastische und Ästhetische Chirurgie, Gefäßchirurgie) und fragen Sie nach Fallbeispielen und Patientenerfahrungen. Selbsthilfegruppen sind hier oft eine gute Informationsquelle.
E) Alltag & Lebensqualität
Sagen Sie es einfach und direkt: "Ich habe ein Lipödem, das ist eine schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die nichts mit Übergewicht zu tun hat." Informationsmaterial von Fachgesellschaften oder ein Verweis auf seriöse Webseiten kann helfen, Unverständnis und Vorurteile abzubauen.
Diese Gefühle sind bei Lipödem sehr häufig und verständlich. Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann enorm helfen zu sehen, dass man nicht allein ist. Auch eine professionelle psychologische Unterstützung kann dabei helfen, das Selbstwertgefühl wieder aufzubauen.
Weit geschnittene Hosen (z.B. Marlene-Hosen, Culottes), lange Röcke und Kleider in A-Linie können die Beine umspielen, ohne einzuengen. Obenrum können Sie figurbetonte Oberteile tragen, um Ihre schlankere Taille zu betonen. Wichtig ist, dass Sie sich wohlfühlen und die Kleidung nicht drückt.
Ja, aber mit Vorbereitung. Tragen Sie auf langen Reisen (besonders im Flugzeug oder Auto) unbedingt Ihre Kompression, um Schwellungen und Schmerzen vorzubeugen. Bewegen Sie sich zwischendurch immer wieder und trinken Sie ausreichend.
Das ist eine große Herausforderung. Tipps: Tragen Sie die Kompression zumindest morgens und abends, wenn es kühler ist. Kühlen Sie die Beine zwischendurch mit Wasser (z.B. aus einer Sprühflasche). Helle Kompressionsfarben heizen sich weniger auf. Wassersport ist im Sommer ideal.
Berufe, die langes Stehen oder Sitzen erfordern, können die Beschwerden verstärken. Wenn möglich, sind Berufe mit einem Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen günstiger. Ein höhenverstellbarer Schreibtisch kann im Büro eine große Hilfe sein.
Ja, eine Schwangerschaft ist grundsätzlich möglich. Die hormonelle Umstellung kann die Lipödem-Symptome jedoch vorübergehend verschlimmern. Eine engmaschige ärztliche Betreuung und eine konsequente Kompressionstherapie sind in dieser Zeit besonders wichtig.
Lokale und Online-Selbsthilfegruppen sind eine wertvolle Ressource. Suchen Sie nach Vereinen wie "Lipödem-Hilfe e.V." oder "Lipo-Power". Auch in sozialen Medien gibt es große Gemeinschaften von Betroffenen, die sich gegenseitig unterstützen und Tipps geben.
Die konsequente Kompression ist die beste Schmerzprävention. Bei akuten Schmerzen können sanfte Bewegung (z.B. Spazierengehen), Hochlagern der Beine oder kühle Umschläge helfen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über geeignete Schmerzmittel für den Bedarfsfall.
Selbstmanagement bedeutet, dass Sie aktiv die Verantwortung für Ihre Therapie übernehmen. Sie lernen, auf Ihren Körper zu hören, setzen die Therapie (Kompression, Bewegung, Ernährung) eigenständig um und werden so zur Expertin für Ihre eigene Gesundheit.
Ja, ein Lipödem kann auch an den Armen auftreten, allerdings deutlich seltener als an den Beinen. Oft sind zunächst die Beine betroffen und erst später entwickelt sich auch ein Arm-Lipödem. Auch hier ist eine konsequente Kompressionstherapie wichtig.
Die hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren können bei vielen Frauen zu einer Verschlechterung der Lipödem-Symptome führen. Eine konsequente Therapie ist in dieser Phase besonders wichtig. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eine mögliche Hormontherapie.
Ja, es gibt verschiedene Hilfsmittel: Anziehhilfen für Kompressionsstrümpfe, Handschuhe mit Noppen für besseren Halt, Beinlagerungskissen, Fußhocker für den Arbeitsplatz oder spezielle Hautpflegeprodukte. Ihr Sanitätshaus kann Sie hierzu beraten.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel zwei Versorgungen pro Jahr. Das bedeutet, Sie können alle sechs Monate ein neues Rezept von Ihrem Arzt erhalten, um neue Kompressionsstrümpfe zu bekommen, da diese durch das tägliche Tragen an Wirksamkeit verlieren.
Die Hitze in der Sauna erweitert die Gefäße und kann Schwellungen verstärken. Viele Betroffene vertragen Sauna nicht gut. Wenn Sie es ausprobieren möchten, beginnen Sie vorsichtig mit niedrigen Temperaturen und kurzen Aufenthalten. Kühlen Sie die Beine danach gut ab.
Bei starker Ausprägung und erheblicher Beeinträchtigung im Alltag kann ein Antrag auf Feststellung einer Schwerbehinderung gestellt werden. Der Grad der Behinderung (GdB) wird individuell geprüft. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder einer Selbsthilfegruppe beraten.
Häufige Begleiterkrankungen sind Adipositas, Gelenkbeschwerden (durch die Mehrbelastung), Krampfadern, psychische Belastungen (Depressionen, Angststörungen) und in fortgeschrittenen Fällen ein sekundäres Lymphödem (Lipo-Lymphödem).
Ja, bei entsprechender medizinischer Indikation können Sie bei Ihrer Krankenkasse eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme (Kur) beantragen. Spezialisierte Kliniken bieten Programme mit Lymphdrainage, Bewegungstherapie, Ernährungsberatung und psychologischer Betreuung an.
Führen Sie ein Schmerztagebuch, fotografieren Sie regelmäßig Ihre Beine/Arme (immer aus gleicher Position), messen Sie die Umfänge und dokumentieren Sie alle Therapiemaßnahmen. Diese Unterlagen sind wichtig für Arztgespräche, Anträge bei der Krankenkasse oder einen eventuellen Widerspruch.
Die Forschung zum Lipödem ist noch jung, macht aber Fortschritte. Es wird intensiv an den Ursachen, besseren Diagnosemethoden und neuen Therapieansätzen geforscht. Auch wenn aktuell keine Heilung möglich ist, gibt es Hoffnung, dass in Zukunft wirksamere Behandlungen zur Verfügung stehen werden.